Stellungnahme der Action Antifasciste Paris-Banlieue zu den Ereignissen in Lyon

Wenn der Sturm wütet – Stellungnahme der Action Antifasciste Paris-Banlieue

Donnerstag, 12. Februar 2026 — am Rande eines Happenings des nationalistischen und rassistischen Kollektivs Némesis wurden Antifaschist*innen von rund zwanzig vermummten und bewaffneten Neonazis angegriffen.
Ein nationalistischer Aktivist, bekannt für sein Engagement in der Action Française (royalistische und antisemitische Organisation) und Anführer der neonazistischen Kleingruppe „Allobroges Bourgoin“, ist infolge dieses Zusammenstoßes verstorben.

Die Opfer-Inszenierung von Identitären und Némésis, welche von einer angeblichen Falle berichten, die Quentin D. gestellt worden sei, wurde umgehend von den Medien und der politischen Klasse übernommen — darunter ein großer Teil der Linken, der sich so schnell wie möglich von den Ereignissen distanzieren wollte. Obwohl diese Darstellung inzwischen durch neue Videos und Zeugenaussagen erschüttert wurde, gilt sie weiterhin als offizielle Version, auch seitens des Staates.

Dieses nahezu vollständige Ausbleiben eines wirksamen Gegen­diskurses hat der extremen Rechten freien Lauf zur Instrumentalisierung des Vorfalls gegeben — und dem Staat einen neuen Vorwand geliefert, um seine Kriminalisierung sozialer Bewegungen und linker Organisationen, insbesondere La France Insoumise, voranzutreiben. Während ihre Büros gänzlich ungeahndet angegriffen wurden, hielten die parlamentarischen Fraktionen im Parlament eine Schweigeminute für einen Faschisten ab: Eine seit dem Vichy-Regime beispiellose Situation. Zugleich kündigte der Rassemblement National an, einen Gesetzentwurf einzubringen, der „Antifas“ als terroristische Organisation einstufen soll.

Diese gewaltsamen Angriffe auf antifaschistische Organisationen ereignen sich zwei Jahre, nachdem die Macron-Regierung die kommunistischen und antifaschistischen Widerstandskämpfer Missak und Mélinée Manouchian in den Panthéon aufgenommen haben. Durch die Vereinnahmung der Erinnerung an die Résistants (auch durch den RN) setzt sich die Entpolitisierung antifaschistischen Handelns zugunsten eines inhaltsleeren Nationalromans fort.


Diese allgemeine reaktionäre Offensive versucht so eine semantische Umkehr: Antifaschistinnen als Faschistinnen darzustellen und die extreme Rechte in die Rolle der Opfer politischer Gewalt zu rücken. Dabei haben sich ihre rassistischen Verbrechen seit dem Tod unseres Genossen Clément Méric, 2013 von Faschisten ermordet, nur gehäuft. Allein seit 2022 sind bei Übergriffen mit rassistischem und faschistischem Hintergrund 11 Menschen getötet und 19 weitere durch Schuss‑ oder Stichwaffen schwer verletzt worden.

So kam es, obwohl wir dieser in solchem Ausmaß bisher unbekannten Faschisierung mit einer einheitlichen Antwort unseres politischen Lagers begegnen müssten, zu vorschnellen Distanzierungen, wodurch die an jenem Tag anwesenden Antifaschist*innen zu Freiwild erklärt wurden. Diese Distanzierungen erscheinen wie eine Beleidigung gegenüber denen, die sich täglich organisieren und sich jenseits von medialer Aufmerksamkeit gegen die Gewalt einer erstarkenden extremen Rechten verteidigen.


Angesichts der beispiellosen Beschleunigung der Faschisierung und der zunehmenden Übergriffe während dieser Phase liegt es in unserer Verantwortung, zusammenzustehen und antifaschistische Werte weiter zu vertreten und zu verteidigen. Deshalb bekräftigen wir unsere Unterstützung für La France Insoumise und die Jeune Garde, die heute besonders ins Visier dieser reaktionären Offensive geraten sind.

Wir sprechen zudem unsere entschlossene Solidarität mit den Genoss*innen aus, die im Zusammenhang mit diesem Fall angeklagt sind. Sie werden sich einer beispiellosen Phase von Repression stellen müssen, und wir werden, so lang wie nötig, an ihrer Seite stehen.

Mehr denn je gilt es, unsere Linie zu bekräftigen: die populäre Selbstverteidigung — sich gegen Faschist*innen organisieren und, selbst wenn der Sturm wütet, geschlossen gegen die Repression stehen.

Action Antifasciste Paris‑Banlieue

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